Verband der lnsolvenzverwalter Deutschlands e.V.
Rückgang der Unternehmensinsolvenzen um 6,2 % / Sparpläne der Bundesregierung belasten Konsumklima / Sparmaßnahmen nicht am Insolvenzrecht ansetzen
Berlin, 9. Juli 2010. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist erstmals seit langem gesunken, und das deutlich: Wie das Statistische Bundesamt heute bekannt gab, haben im April 2010 6,2 Prozent weniger Unternehmen Insolvenz angemeldet als im Vorjahresmonat. Der Insolvenzverwalterverband VID warnt dennoch vor zu großer Euphorie: Für eine Entwarnung sei es zu früh. Insgesamt bleibe die Tendenz für das Jahr 2010 deutlich negativ. Im Jahresverlauf sei mit einem weiteren Anstieg der Unternehmensinsolvenzen zu rechnen, die Insolvenzwelle sei noch nicht zu Ende. Die noch vor kurzem befürchtete Rekordmarke von 40.000 Unternehmensinsolvenzen werde aber aufgrund der Verlängerung der Kurzarbeiterregelung wohl nicht erreicht.
,,Aufgrund der massiven Sparpläne der Bundesregierung wird sich das Konsumklima in absehbarer Zeit nicht verbessern", betonte der VID-Vorsitzende Siegfried Beck. Vor allem der Einzelhandel werde dadurch belastet. ,,Auch Autohäuser, Speditionen und der Dienstleistungssektor stehen nach wie vor unter Druck. Einzig für die Exportindustrie gibt es einen Lichtblick." Diese profitiere von der augenblicklichen Euro-Schwäche.
Beck warnte mit Nachdruck davor, im Zuge des aktuellen Sparprogramms am Insolvenzrecht anzusetzen. So plant die Bundesregierung, das so genannte Fiskusvorrecht wieder einzuführen und erhofft sich davon erhebliche Mehreinnahmen. ,,Eine solche Maßnahme ist wirtschaftlich kurzsichtig und ein Rückschritt für unsere moderne, sanierungsorientierte Insolvenzordnung", sagte Beck. Die Sanierung insolventer Unternehmen würde dadurch erheblich erschwert und vielfach unmöglich. ,,Die Folge wären mehr Liquidationen und damit Arbeitsplatzverluste, Steuerausfälle und Mehrbelastungen für die Sozialversicherungen, die die erhofften Mehreinnahmen bei weitem überwiegen."
Über den VID
Der ,,Verband der lnsolvenzverwalter Deutschlands e.V." ist der Bundesverband der in Deutschland tätigen Unternehmensinsolvenz-verwalter. Zweck des Verbands ist die Förderung und Weiterentwicklung des Insolvenzrechts in Deutschland und die berufliche Aus- und Fortbildung. Voraussetzung für die VID-Mitgliedschaft ist eine mindestens fünf Jahre dauernde Tätigkeit als Unternehmens-insolvenzverwalter und die Verpflichtung auf die Berufsgrundsätze des VID. Der Verband hat zur Zeit rund 430 Mitglieder und vertritt damit die überwiegende Mehrheit dieser Berufsgruppe.
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