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22.09.2017 | Deutscher EDV-Gerichtstag e.V. | Mitteilung der Pressestelle
EDV-Gerichtstag: „Dieter Meurer Preis Rechtsinformatik“ an Prof. Dr. Louisa Specht verliehen

EDV-Gerichtstag ehrt Prof. Dr. Louisa Specht für ihre Habilitationsschrift zum Thema „Diktat der Technik - Rematerialisierung der Privatautonomie im informationstechnologischen Umfeld“

Saarbrücken, den 21.09.2017 – Den „Dieter Meurer Preis Rechtsinformatik“ erhält in diesem Jahr Prof. Dr. Louisa Specht für ihre Habilitationsschrift zum Thema „Diktat der Technik - Rematerialisierung der Privatautonomie im informationstechnologischen Umfeld“ verliehen, mit der sie Kernfragen des Verhältnisses von Informationstechnologie und Recht untersucht. Die 32-jährige Preisträgerin ist seit Beginn des Jahres Inhaberin des neu geschaffenen Lehrstuhls für Europäisches und Internationales Daten- und Informationsrecht an der Universität Passau. Sie wurde aufgrund ihrer herausragenden wissenschaftlichen Leistungen bereits Universitätsprofessorin, bevor ihr Habilitationsverfahren offiziell abgeschlossen war.

Specht, die den Preis am gestrigen Abend im Saarbrücker E-Werk vom saarländischen Justizminister Stephan Toscani entgegennahm, bezeichnete es als „große Ehre“, den Dieter Meurer Preis für Rechtsinformatik verliehen zu bekommen. „Dieter Meurer hat die Rechtsinformatik geprägt, wie kaum ein anderer. Er hat sich dem Zusammentreffen von Recht und IT-Technologie mit einer Hingabe und Brillanz gewidmet, die ihn zum Vorbild für jeden Juristen macht, der in diesem Bereich forscht und lehrt. Mit dem zu seinen Ehren geschaffenen Preis ausgezeichnet zu werden, ist für mich die schönste Ehrung, die es geben kann."

Während in der Vergangenheit oft ein Augenmerk darauf lag, den Einsatz der IT in der Justiz mithilfe von Rechtsänderungen zu fördern, ging der EDV-Gerichtstag nach Inkrafttreten von Rechtsänderungen der Frage nach, wie die Gerichte, Staatsanwälte oder Rechtsanwälte dazu gebracht werden können, den vorgegebenen Zeitpunkten entsprechend die IT tatsächlich zu nutzen. „Die Arbeit von Louisa Specht lehrt uns, dass es aber auch ganz andere Entwicklungen zu bedenken gilt. Sie analysiert heutige IT- Entwicklungen, die uns an die Erkenntnis von Lawrence Lessig von 1999 erinnern, wonach die Hardware und die Software die jeweilige Gestalt des Cyberspace und damit auch die Freiräume des einzelnen bestimmen. Stichwort ‚Code is law‘.“, so Prof. Dr. Wilfried Bernhardt, der bei der Preisverleihung die Laudatio hielt.

„Sie zeigt auf, wie Hersteller von Produkten durch informationstechnologische Voreinstellungen die Nutzungsmöglichkeiten des Kunden so vorbestimmen, dass dieser keine echte Freiheit für abweichende Vereinbarungen mehr wahrnehmen kann. Dieses Problem wird angesichts des technischen Fortschritts zukünftig eher noch größere Bedeutung erlangen.“, so Bernhardt. Mit ihren Vorschlägen appelliert Specht gleichermaßen an die Informatiker und die Juristen – also insbesondere auch an die Mitglieder des EDV-Gerichtstags -, die Gefahren einer technikgetriebenen Beschränkung der Privatautonomie nicht hinzunehmen, sondern aktiv Lösungen zur Sicherung der Privatautonomie zu erarbeiten, die zu den unverzichtbaren Grundwerten einer freiheitlichen Rechts- und Verfahrensordnung gehört.

Der „Dieter Meurer Preis Rechtsinformatik“ wird seit 2003 durch den Vorstand des EDV-Gerichtstags zusammen mit der Geschäftsführung der juris GmbH vergeben und ist mit 5.000 € dotiert. Er soll im Sinn des Verständnisses von Dieter Meurer Arbeiten im Bereich der Rechtsinformatik fördern. Meurer befasste sich neben seiner Funktion als Ordinarius für Strafrecht, Strafprozessrecht und Rechtsphilosophie an der Philipps-Universität Marburg intensiv mit der Rechtsinformatik. Der Arbeit des EDV-Gerichtstages war er von Anfang an als Begleiter, Ideengeber und Unterstützer verbunden. Preiswürdig sind Leistungen, die rechtliche Aufgaben und das Methodenpotential der Informatik zusammenführen, und zwar im juristischen Bereich, auf dem Feld der Informationstechnologie oder bei organisatorischen Leistungen in der Praxis.

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