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Die Gläubiger haben am 29. September 2026 in der Gläubigerversammlung vor dem Amtsgericht Dortmund dem Sanierungskonzept für die drei Apotheken von Dr. Axel Schneider einstimmig zugestimmt und ihn beauftragt, einen entsprechenden Insolvenzplan einzureichen. Die Paracelsus Apotheke am Papenweg 2 und die Löwen-Apotheke am Theodor-Heuss-Platz 13 bleiben damit erhalten. Mit ihnen bleibt auch die Versorgung der langjährigen Kundschaft, der kooperierenden Arztpraxen und der Pflegeeinrichtungen gesichert. Die von Kleist Apotheke in der Bahnhofstraße 4 schließt wie angekündigt zum 30.11.2026.
Zwei Standorte mit Zukunft
Beide verbleibenden Apotheken liegen in Wohngebieten und sind dank ausreichender Parkplätze gut erreichbar. Dort versorgt Dr. Schneider seine Kundschaft weiter in gewohnter Qualität, einschließlich Rezeptur und Belieferung von Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen.
Warum der Standort Bahnhofstraße nicht zu halten ist
Die Nachbarschaft zu Arztpraxen war früher der größte Vorteil der Apotheke. Mit der Einführung des E-Rezepts ist sie zum Nachteil geworden. „Wer heute aus der Praxis kommt, hat das Rezept oft noch nicht. Eingelöst wird es später am Wohnort oder beim Einkaufen“, sagt Dr. Schneider.
Hinzu kommt das Umfeld. Der Busbahnhof hat nach 18 Monaten Umbauzeit wieder geöffnet, die Laufwege der Kundschaft sind aber nicht mehr dieselben wie vorher. Das Viertel hat in dieser Zeit deutlich an Attraktivität verloren. Die angekündigten Innenstadtprojekte haben sich bislang nicht konkretisiert, und Kundinnen und Kunden berichten, dass sie sich in der Straße unsicher fühlen. Seit dem 14. September 2026 erneuern Lippeverband und Stadtwerke Hamm nun auf rund 450 Metern Mischwasserkanal und Versorgungsleitungen, direkt vor dem Ärztehaus mit der Apotheke. Die Baustelle ist bis ins Frühjahr 2028 angelegt. Parkmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe entfallen in dieser Zeit weitgehend.
„Wir arbeiten seit Jahren daran, diesen Standort zu halten“, sagt Dr. Schneider. „Aber es wäre unseriös, eine Apotheke auf Hoffnungen zu stützen, die sich seit Jahren nicht erfüllen. Die Entscheidung fällt mir schwer. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass die beiden anderen Apotheken eine echte Zukunft haben.“
Das Verfahren
Die drei Apotheken befanden sich ab dem 25.03.2026 im Schutzschirmverfahren. Am 01.07.2026 hat das Amtsgericht Dortmund das Insolvenzverfahren eröffnet und die Eigenverwaltung angeordnet; Sachwalter ist Rechtsanwalt Marco Kuhlmann. Der Betrieb läuft seit März ohne Unterbrechung weiter, alle Lieferantenrechnungen sind bezahlt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden am 13.08.2026 in einer Betriebsversammlung über die geplante Schließung informiert.
Das Sanierungskonzept hat die KRP Küppers Rabenhorst GmbH unter Federführung von Diplom-Kaufmann Jan Küppers erstellt. Der Insolvenzplan ist in seinen Grundzügen bereits mit dem Sachwalter und dem Insolvenzgericht abgestimmt. Rechtsanwalt Fritz Rabenhorst wird ihn nun mit den maßgeblichen Gläubigern endabstimmen und zeitnah einreichen. Nach derzeitiger Planung rechnen die Beteiligten mit einem Verfahrensabschluss spätestens zum Jahreswechsel.
„Eine Sanierung ist kein Sparprogramm über alle Standorte hinweg, sondern eine Entscheidung darüber, wo der Betrieb dauerhaft tragfähig ist“, erläutern Jan Küppers und Fritz Rabenhorst. „Der Plan ist bewusst darauf angelegt, die beiden Standorte fortzuführen. Damit haben die Apotheken wieder eine Grundlage, auf der sie planen können.“
Was das für die Kundschaft bedeutet
Die von Kleist Apotheke bleibt bis zum 30.11.2026 regulär geöffnet. Danach übernehmen die Paracelsus Apotheke und die Löwen-Apotheke die Versorgung. Die Kundschaft wird rechtzeitig über den Übergang informiert. An den beiden fortgeführten Standorten ändert sich nichts.
Hintergrund: der Apothekenmarkt
Ende 2025 gab es in Deutschland nur noch 16.601 Apotheken. Das sind 440 weniger als ein Jahr zuvor und so wenige wie seit knapp 50 Jahren nicht mehr. Das Festhonorar je verschreibungspflichtiger Packung lag von 2013 bis Juni 2026 unverändert bei 8,35 Euro, während die Kosten um rund 65 Prozent stiegen. Seit Juli 2026 liegt es bei 9 Euro, zum 1. Januar 2027 steigt es auf 9,50 Euro. Zugleich soll jedoch der Kassenabschlag ab 2027 von 1,77 auf 2,07 Euro je Packung steigen. Das Honorar ist gesetzlich festgelegt, und das E-Rezept wird dort eingelöst, wo die Menschen wohnen. Deshalb entscheidet heute vor allem der Standort über die Zukunft einer Apotheke.
Über KRP
Die KRP Küppers Rabenhorst GmbH begleitet Unternehmen in wirtschaftlichen Krisen. Rechtsanwälte und Betriebswirte arbeiten dabei interdisziplinär zusammen, mit über 60 Jahren gebündelter Erfahrung, mehr als 50 sanierten Unternehmen und über 100 Eigenverwaltungsplanungen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Sanierung von Apotheken über Insolvenzplan und Eigenverwaltung mit dem Ziel, Standorte fortzuführen.