Pressemitteilungen

« vorherige Meldung | nächste Meldung »
26.08.2026 | | Mitteilung der Pressestelle
Großinsolvenzen verharren auf hohem Niveau – doch mehr Unternehmen finden einen Käufer

Die Zahl der Großinsolvenzen in Deutschland hat sich im zweiten Quartal 2026 auf hohem Niveau eingependelt. 105 Unternehmen mit mehr als zehn Millionen Euro Umsatz stellten einen Insolvenzantrag, nahezu unverändert gegenüber dem Vorquartal (104) und knapp zwölf Prozent mehr als ein Jahr zuvor (94). Das geht aus dem 5-nach-12-Insolvenzreport von FalkenSteg hervor. Auf der Ausgangsseite zeichnet sich dagegen eine Wende zum Besseren ab: Von 70 abgeschlossenen Verfahren mündeten 45 in eine Fortführung. Die Positivquote stieg damit auf 64 Prozent, nach 55 Prozent im Vorquartal und 48 Prozent im Vorjahresquartal.

Plateau statt Rebound

Der nach dem Einbruch der ersten drei Monate (minus 27,7 Prozent gegenüber dem Schlussquartal 2025) sonst übliche Rebound blieb aus. Das Quartal liegt aber dennoch 40 Prozent über dem Fünfjahresdurchschnitt von 75 Verfahren. Im ersten Halbjahr summieren sich die Anträge auf 209 und liegen damit knapp vier Prozent unter dem Vorjahreswert von 217.

Auffällig ist die Verschiebung hin zu größeren Unternehmen. Auf die Klasse zwischen zehn und 19 Millionen Euro entfallen mit 50 Fällen zwar weiterhin knapp die Hälfte aller Anträge. Doch oberhalb von 100 Millionen Euro stieg die Zahl von sieben auf zwölf Verfahren gegenüber dem Vorjahr; zusammen mit den zwölf Fällen zwischen 50 und 99 Millionen Euro gerieten 24 Unternehmen dieser Größenklassen in die Krise.

Bei den Verfahrensarten dominiert die Regelinsolvenz immer deutlicher: 81 der 105 Verfahren und damit gut 77 Prozent entfielen auf sie, neun Prozentpunkte mehr als im Vorquartal. Die Eigenverwaltung kam auf 21 Verfahren nach 30, das Schutzschirmverfahren auf drei. Die mit dem ESUG gestärkten Sanierungsinstrumente kommen damit auf den niedrigsten Anteil an allen Anträgen seit acht Jahren, während die Regelinsolvenz diesen Rückgang kompensiert.

Brennpunkt bleibt die metall- und fahrzeugnahe Industrie: Die Metallwarenhersteller führen mit 14 Fällen vor der Automobilzulieferindustrie mit zwölf und dem Maschinenbau mit elf Verfahren. Zugelegt haben Logistik (von acht auf zehn), Einzelhandel (von zehn auf elf), Elektrotechnik (von acht auf neun) und der Bau von Immobilien (von vier auf acht).

„Alarmierend ist vor allem, dass die Zahl der Eigenverwaltungen einbricht: Wer erst zum Gericht geht, wenn fast nichts mehr geht, hat die Sanierung in Eigenregie bereits verspielt“, sagt Jonas Eckhardt, Partner bei FalkenSteg und Autor der Studie. „Von Entspannung kann keine Rede sein, auch wenn die Stimmungsindikatoren für die Konjunktur nach oben drehen.“ So stieg im Juli der HCOB-Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe auf 52,2 Punkte, ein Viermonatshoch und deutlich über der Wachstumsschwelle von 50. Das ifo-Geschäftsklima ist seit seinem Tiefpunkt im April den dritten Monat in Folge auf 86,6 Punkte gestiegen.

Die harten Zahlen tragen jedoch bislang keine echte Wende. Die Industrieproduktion ohne Energie und Bau stagnierte im Juni zum Vormonat; das Plus von 0,2 Prozent im Produzierenden Gewerbe insgesamt geht im Wesentlichen auf die Automobilindustrie (plus 3,6 Prozent) und den Sonstigen Fahrzeugbau (plus 8,4 Prozent) zurück, der von öffentlichen Rüstungsvorhaben getragen wird. In den energieintensiven Zweigen sank die Produktion um 1,8 Prozent. Der Auftragssprung von 3,1 Prozent kehrte sich ohne Großaufträge in ein Minus von 0,5 Prozent um.

Die Industrieverbände warnen deshalb vor Fehldeutungen: So hat der VDMA einen vergleichbaren Ordersprung im Frühjahr als Sondereffekt eingeordnet, der den Beginn eines breiten Aufschwungs gerade nicht markiere, und seine Produktionsprognose für 2026 auf null gesenkt. „Es gibt aktuell eine Divergenz zwischen aufhellender Erwartung und schwacher Realwirtschaft“, sagt Eckhardt. Es bleibe abzuwarten, inwieweit die Realwirtschaft noch nachziehe.

Jeder zweite Verfahrensausgang ist ein Asset Deal

Die Verfahrenslösungen gingen gegenüber dem Vorquartal um rund zehn Prozent von 78 auf 70 zurück und lagen auch unter dem Vorjahresquartal (73). Die positiven Ausgänge stiegen jedoch an. Der Asset Deal legte von 35 auf 37 Fälle zu und stellte mit 53 Prozent nach 45 Prozent im Vorquartal wieder mehr als die Hälfte aller Verfahrensausgänge. Die Sanierung über einen Insolvenzplan verharrt dagegen seit drei Quartalen bei acht Fällen.

Die negativen Ausgänge gingen zurück. Die Masseunzulänglichkeiten sanken von 17 auf zehn Fälle und haben sich binnen Jahresfrist mehr als halbiert (Vorjahr: 26). Hinzu kamen 15 Betriebseinstellungen. Der Anteil negativer Ausgänge fiel von 45 auf knapp 36 Prozent, nach 52 Prozent im Vorjahresquartal.

„Es gibt Käufer, aber häufig kaum Kaufpreise“, sagt Eckhardt. „Jeder zweite Verfahrensausgang ist ein Asset Deal. Die schlechte Nachricht ist die Zeit: 8,2 Monate bis zur Lösung sind anderthalbmal so lang wie 2020, als ein Verfahren durchschnittlich 5,4 Monate dauerte. In dieser Zeit verliert ein Betrieb Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter – also genau das, wofür ein Käufer zahlt.“

Prof. Heilmann: Die Konjunktur ist in der Bodenbildung

Die Insolvenzwelle nähert sich ihrem Höhepunkt, und bei der Konjunktur spricht vieles für eine Bodenbildung – so Prof. Dr. Harro Heilmann (Hochschule Aalen) im 5-nach-12-Insolvenzreport. Die Insolvenz sei ein Spätindikator: Große Krisen schlügen erst mit zwei bis drei Jahren Verzögerung durch, nach der Finanzkrise etwa zwischen 2009 und 2011. Auslöser seien diesmal Corona, der Ukrainekrieg und die Energiepreise gewesen; das Corona-Moratorium habe die Welle zusätzlich nach hinten verschoben. Deshalb falle der Höhepunkt erst in dieses Jahr. Der derzeitige Zollstreit und Irankrieg würden keine weiteren Anstiege der Insolvenzen in dieser Größenordnung auslösen.

Rekordinsolvenzen, Stellenabbau, Werksverlagerungen: Für viele belegt die Lage der Industrie einen strukturellen Niedergang. Heilmann widerspricht. Die Ursachen lägen weniger im Standort Deutschland als in Managemententscheidungen und einem zaghaften Staat, der bei Zinsen nahe null Schulden abgebaut habe. Die Produktionsschwäche in der Automobilindustrie führt der Professor für Unternehmensführung auf das Management zurück: Vorstände hätten bei Absatzkurven einfach den Trend fortgeschrieben, viel zu lange auf Verbrenner gesetzt und Elektro belächelt. Für den chinesischen Markt hätten die Hersteller die falschen Modelle angeboten. „China ist nicht schuld, dass der Acht- und Zwölfzylinder-Absatz in den Keller rauschte.“

« vorherige Meldung | nächste Meldung »

Der WBDat.-E-Mail-Newsletter zum Insolvenzgeschehen:
Unser kostenloser Service für Sie. Täglich auf dem neuesten Stand.

abonnieren