Pressemitteilungen

08.05.2026 | | Mitteilung der Pressestelle
Insolvenzverfahren Sympatex Technologies GmbH Italienischer Investor Pidigi führt Sympatex fort

• Pidigi S.p.A. aus Verona und eine deutsche Tochtergesellschaft erwerben wesentliche Vermögenswerte von Sympatex im Zuge einer übertragenden Sanierung

• 21 Arbeitsplätze und alle vier Ausbildungsplätze bleiben am Standort Unterföhring erhalten

• Transaktion schafft erhebliche operative und wirtschaftliche Synergien

München, 08. Mai 2026 – Im Insolvenzverfahren über das Vermögen des Münchener Textilunternehmens Sympatex Technologies GmbH hat Insolvenzverwalter Axel W. Bierbach von der Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen (München) eine tragfähige Lösung zur Fortführung des Geschäftsbetriebs gefunden. Das operative Geschäft soll im Zuge einer übertragenden Sanierung mit Wirkung zum 01. Juni 2026 von der Pidigi S.p.A. aus Verona übernommen werden. Pidigi ist ein inhabergeführter, international agierender italienischer Zulieferer und Innovationspartner der Schuh-, Lederwaren- und Bekleidungsindustrie, der seit mehr als 70 Jahren am Markt etabliert ist. Pidigi entwickelt und vertreibt hochwertige Materialien und nachhaltige Komponenten für industrielle Anwendungen.

Im Zuge des Asset Deals erwerben Pidigi und eine deutsche Tochtergesellschaft die wesentlichen Vermögenswerte von Sympatex und beabsichtigen, den operativen Geschäftsbetrieb unter der Marke Sympatex fortzuführen. Am Standort Unterföhring bei München bleiben 21 Arbeitsplätze sowie die Ausbildungsplätze aller vier Auszubildenden erhalten. Auch die internationalen Standorte in Frankreich, China und Hong Kong sowie die koreanische Vertriebsrepräsentanz sollen fortgeführt werden. Im Rahmen der strukturellen Neuausrichtung werden für 25 Mitarbeitende am Standort Unterföhring im Laufe des Monats Mai betriebsbedingte Kündigungen mit Wirkung zum Ende August ausgesprochen.

Zur Abmilderung der wirtschaftlichen Folgen für die betroffenen Beschäftigten wurden ein Interessenausgleich und ein Sozialplan vereinbart. Rund 20 Mitarbeitende haben das Unternehmen bereits während der Phase der vorläufigen Insolvenzverwaltung eigenständig verlassen. Mit dem Übergang des Geschäftsbetriebs auf Pidigi wird auch die zukünftige operative Verantwortung neu geregelt. Kim Scholze, die Sympatex in einer äußerst herausfordernden Phase als alleinige Geschäftsführerin übernommen und durch das Insolvenzverfahren geführt hat, wird das Unternehmen nach Abschluss der Transaktion verlassen.

Grundlage für Fortführung des Geschäftsbetriebs am Standort Unterföhring geschaffen

Insolvenzverwalter Bierbach bezeichnete es als besonders erfreulich, dass der Standort Unterföhring von Sympatex erhalten bleibt und somit eine zentrale Grundlage für die nachhaltige Fortführung des Geschäftsbetriebs in Deutschland geschaffen wird. Er dankte Kim Scholze, der gesamten Belegschaft und dem Betriebsrat ausdrücklich für ihren Einsatz in den vergangenen Monaten. „Die Mitarbeitenden und die Geschäftsführerin von Sympatex haben unter schwierigen Rahmenbedingungen mit hoher Professionalität, großem Engagement und bemerkenswerter Loyalität dazu beigetragen, den Geschäftsbetrieb stabil fortzuführen und die Grundlage für diese Investorenlösung zu schaffen“, erklärte Bierbach. Der Geschäftsbetrieb konnte während der dreieinhalb Monate seit dem Insolvenzantrag Ende Januar 2026 in vollem Umfang fortgeführt werden.

„Die vergangenen Monate haben den Mitarbeitenden von Sympatex enorm viel abverlangt. Umso mehr erfüllt es mich mit Respekt, wie professionell, loyal und engagiert die Teams weltweit den Geschäftsbetrieb, die Kundenbeziehungen und zentrale Projekte in dieser Phase getragen haben. Dass nun eine Investorenlösung für Technologie, Marke und wesentliche Unternehmensbereiche erreicht werden konnte, ist ein bedeutender gemeinsamer Erfolg. Mein besonderer Dank gilt allen Mitarbeitenden, Partnern und Kunden, die Sympatex in dieser Zeit mit Vertrauen, Einsatz und Haltung begleitet haben,“ sagte Kim Scholze.

Aus Sicht von Insolvenzverwalter Bierbach ist mit dem Einstieg von Pidigi eine tragfähige Perspektive für das Unternehmen geschaffen worden. „Angesichts des herausfordernden, unter erheblichem Wettbewerbs- und Kostendruck stehenden Marktumfelds und der besonderen Unternehmenshistorie von Sympatex war es eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, einen geeigneten Käufer für Sympatex zu finden. Umso mehr freut es mich, dass wir mit Pidigi einen idealen Investor gewinnen konnten, der den hochspezialisierten Markt gut kennt und selbst seit vielen Jahrzehnten erfolgreich in der Schuh- und Bekleidungsindustrie verwurzelt ist. Pidigi hat ein klares Konzept und bringt ausgezeichnete operative Voraussetzungen sowie große Branchenkompetenz mit, um die internationale Marktpräsenz, das technologische Know-how und die gewachsenen Kundenbeziehungen von Sympatex zu sichern und nachhaltig weiterzuentwickeln,“ so der Insolvenzverwalter.

Pidigi arbeitet schon seit mehreren Jahrzehnten mit Sympatex zusammen und verfügt als langjähriger Distributor im Footwear-Segment in Italien über umfassende Marktkenntnis sowie eine starke internationale Vernetzung in der Schuh- und Bekleidungsindustrie. Darüber hinaus besteht eine langjährige Partnerschaft im Bereich Tapeproduktion. Der italienische Familienbetrieb nutzt Laminate und Membrane von Sympatex, die Pidigi im Schuh- und Bekleidungsbereich einsetzt. Dadurch ergeben sich entlang der Wertschöpfungskette erhebliche operative und wirtschaftliche Synergiepotenziale.

Starke Basis für weiteres Wachstum und neue Marktchancen

Dr. Giorgio De Gara, Eigentümer und Geschäftsführer von Pidigi, bezeichnete die Transaktion als Meilenstein in der Weiterentwicklung des Familienunternehmens. „Die Übernahme von Sympatex ist für uns ein wichtiger strategischer Schritt, der auf einer langjährigen und vertrauensvollen Zusammenarbeit aufbaut. Wir kennen das Unternehmen, seine Technologien und die Menschen dahinter seit vielen Jahren und freuen uns sehr, Sympatex nun als Teil der Pidigi-Familie willkommen zu heißen. Gemeinsam wollen wir das internationale Geschäft von Sympatex gezielt weiterentwickeln – von Performance-Laminaten und Tapes für Footwear-Anwendungen bis hin zu technischen Lösungen für Behörden-, Workwear- und Apparel-Märkte. Durch die Verbindung der technologischen Kompetenz von Sympatex mit der globalen Marktpräsenz und operativen Stärke von Pidigi schaffen wir eine starke Basis für weiteres Wachstum und neue Marktchancen. Dabei ist es uns ein wichtiges Anliegen, das wertvolle technologische Know-how von Sympatex und den Standort Unterföhring zu erhalten und den Mitarbeitenden eine langfristige Perspektive zu bieten.“

Den strukturierten Investorenprozess hat ein erfahrenes Beraterteam begleitet: Auf M&A-Seite wurde der Insolvenzverwalter durch Dr. Wieselhuber & Partner (W&P) beraten. Unter der Leitung von Dr. Hubertus Bartelheimer steuerten die M&A-Spezialisten Ante Jelavic und Thomas Müller den gesamten Transaktionsprozess. Die rechtliche Beratung des Insolvenzverwalters übernahm Taylor Wessing Germany unter der Leitung von Dr. Hendrik Boss und Lisa K. Iwersen, LL.M. (Stellenbosch).

Über Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen

Die Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen ist eine seit vielen Jahren auf Sanierung und Insolvenzverwaltung spezialisierte Sozietät von Rechtsanwälten mit Standorten in ganz Bayern. Insgesamt sieben Verwalter bearbeiten Insolvenzverfahren an zahlreichen Amtsgerichten in Bayern und Thüringen. Zu den besonderen Stärken der Kanzlei zählen neben der übertragenden Sanierung auch das Insolvenzplanverfahren, die Eigenverwaltung sowie Konzern- und Gruppeninsolvenzen.

Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter Axel W. Bierbach ist spezialisiert auf Betriebsfortführungen und Sanierungen in einem breiten Branchenspektrum und verfügt dabei über langjährige Erfahrung. In der Textil- und Sportartikelbranche hat er u.a. die Insolvenzen der Planet Sports GmbH, der Escape Clothing GmbH, der A+B Modevertriebs GmbH und der SportScheck GmbH betreut. Bierbach ist Mitglied im Verband Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands e.V. (www.vid.de) sowie im Gravenbrucher Kreis, dem Zusammenschluss der führenden, überregional tätigen Insolvenzverwalter und Sanierungsexperten Deutschlands, die gemäß dem exklusiven Standard InsO Excellence handeln (www.gravenbrucher-kreis.de). In den aktuellen Branchen-Rankings von JUVE, The Legal 500, Best Lawyers und WirtschaftsWoche wird Bierbach als Top-Anwalt empfohlen. Weitere Informationen unter www.mhbk.de

Über Pidigi S.p.A.

Pidigi ist seit 1953 am Markt aktiv und hat sich im Laufe der Zeit auf die Lieferung von Materialien für die Schuh-, Lederwaren- und technische Sportbekleidungsindustrie spezialisiert. Mit einem Logistikzentrum von über 15.000 m² und einem Sortiment von 10.000 Artikeln ist Pidigi in der Lage, alle Anforderungen seiner Kunden zu erfüllen und ist sowohl auf dem nationalen als auch auf dem internationalen Markt tätig. Die acht internationalen Niederlassungen von Pidigi gewährleisten durch ein umfangreiches Vertriebs- und Logistiknetzwerk auf den globalen Märkten ein hohes Serviceniveau und erzielen einen Gesamtumsatz von über 80 Millionen Euro.

Dank seines Innovationsansatzes, der auf intensiver Produktforschung und strenger Qualitätskontrolle basiert, beliefert Pidigi seine Kunden mit einer breiten Palette zuverlässiger und hochwertiger Produkte und Materialien, die Leistung und Nachhaltigkeit vereinen, um den sich wandelnden Anforderungen der Zielmärkte gerecht zu werden. Getreu seiner Vision setzt Pidigi seine Nachhaltigkeitsmission konsequent fort: durch die Erzeugung von über 2,7 MWh erneuerbarer Energie mittels einer eigenen Photovoltaikanlage, durch interne Kreislaufproduktionsprozesse sowie durch Zertifizierungen, die den strengsten Standards entsprechen. Weitere Informationen unter www.pidigi.com

Über Sympatex Technologies GmbH

Sympatex Technologies GmbH entwickelt und produziert seit 1986 porenfreie Membrantechnologie an europäischen Standorten. Die Membranen finden Anwendung in funktionaler Bekleidung, Schuhen sowie in Berufskleidung, persönlicher Schutzausrüstung und technischen Einsatzbereichen. Das Unternehmen ist international über ein Netzwerk aus Marken-, Industrie- und Entwicklungspartnern positioniert.

Die Membrantechnologie basiert auf Polyester, ist PFAS-frei und bildet den technologischen Kern des Unternehmens. Ausgewählte Varianten enthalten einen biobasierten Anteil und sind in unterschiedlichen Materialstärken verfügbar. Die Membran ist wasserdicht, winddicht und atmungsaktiv sowie elastisch ausgelegt und erfüllt die Anforderungen anspruchsvoller industrieller Anwendungen. Auf dieser Basis entwickelt Sympatex funktionale, monomateriale Polyester- und Fiber-to-Fiber-Laminate mit Fokus auf Recyclingfähigkeit. Frühe Investitionen in kreislauffähige Konzepte, ein hoher Anspruch an Transparenz sowie der partnerschaftliche Transfer des gewachsenen technologischen Know-hows der Teams prägen die nachhaltige Produktentwicklung des Unternehmens. Weitere Informationen unter www.sympatex.com

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