Pressemitteilungen
- Technologie und Medien am stärksten betroffen; Maschinenbau an zweiter Stelle
- Gesundheitswesen und Life Sciences auf dem höchsten Stand seit Jahren
- Umsatzrückgänge häufigster Grund für negative Prognosekorrekturen
Düsseldorf, 30.07.2026 – Die erhoffte Stabilisierung der deutschen Wirtschaft lässt weiter auf sich warten. Im ersten Halbjahr 2026 haben deutsche börsennotierte Unternehmen insgesamt 46 Gewinnwarnungen ausgesprochen. Damit lag die Zahl über den entsprechenden Vorjahreswerten: Im ersten Halbjahr 2025 waren 41, im ersten Halbjahr 2024 insgesamt 43 Gewinnwarnungen registriert worden. Das zeigt eine aktuelle Analyse der Strategie- und Transaktionsberatung EY-Parthenon.
Der Anstieg ist auch deshalb bemerkenswert, weil Unternehmen ihre Jahresprognosen in den ersten beiden Quartalen üblicherweise noch häufig aufrechterhalten und erst in der zweiten Jahreshälfte Gewinnwarnungen veröffentlichen.
Umsatzrückgänge dominieren die Gewinnwarnungen
Als Grund für die Gewinnwarnungen wurden in 63 % aller Fälle Umsatzrückgänge genannt, der höchste Stand im Beobachtungszeitraum seit 2022. Dabei verweisen mehr als 40 % dieser Meldungen auf geopolitische Unsicherheiten und insbesondere den Konflikt im Nahen Osten. Zahlreiche Unternehmen berichten in der Folge von einer zurückhaltenden Nachfrage privater Haushalte sowie von aufgeschobenen Investitionsentscheidungen ihrer Geschäftskunden. Geopolitik und internationale Konflikte sind damit wesentlicher Treiber der umsatzbedingten Gewinnwarnungen.
An zweiter Stelle und mit einem deutlichen Anstieg gegenüber dem Vorjahr folgt die Begründung „Finanzierungskosten" mit einem Anteil von 20 %. Auch hier sind die geopolitischen Unsicherheiten ein wesentlicher Treiber. Der sprunghafte Anstieg der Energiepreise hat die Inflation neu befeuert. Um die energiepreisgetriebene Inflationsdynamik zu bremsen und die Preisstabilität zu sichern, hat die EZB die Leitzinsen angehoben, was wiederum die Fremdkapitalkosten für die Unternehmen erhöht. Nahezu unverändert zum Vorjahr nennen rund 13 % der Gewinnwarnungen steigende Material- und Personalkosten als Ursache. Auch hier enthält etwa ein Drittel der Meldungen eine explizite Referenz zum Nahost-Konflikt, vor allem wegen gestiegener Energie- und Rohstoffkosten.
„2026 wird für viele Unternehmen nicht zum erhofften Stabilisierungsjahr werden“, sagt Andreas Warner, Leiter des europäischen Restrukturierungsteams von EY-Parthenon. Geopolitische Spannungen, volatile Energiepreise und eine weiterhin schwache Nachfrage treffen auf strukturelle Belastungen am Standort Deutschland. Dadurch steigt das Risiko, dass Unternehmen ihre Umsatz- und Ergebnisziele erneut korrigieren müssen. „Ohne eine deutliche und nachhaltige Entspannung im Nahostkonflikt ist auch im zweiten Halbjahr 2026 mit einem erhöhten Gewinnwarnungs-Niveau zu rechnen“, prognostiziert Warner.
Anhaltende Unsicherheit in Technologie & Medien, Industrie, Konsumgütern und Finanzen Bei der Betrachtung der letzten zwölf Monate entfielen die meisten Gewinnwarnungen weiterhin auf den Sektor Technologie und Medien. Dort wurden insgesamt 25 Meldungen registriert. Eine zu Jahresbeginn noch für möglich gehaltene Erholung der Marketingbudgets sowie IT-Infrastruktur-Investitionen blieb aus. Die schwache Konsumstimmung und der erneute Inflationsanstieg belasteten die Ausgabenbereitschaft der Privathaushalte und Unternehmen.
Auf dem zweiten Platz folgte der Industriegüter- und Maschinenbausektor mit 19 Gewinnwarnungen. Im Gesamtjahr 2025 hatte dieser noch an dritter Stelle gelegen. Die Entwicklung spiegelt die Verschlechterung der Rahmenbedingungen seit Jahresbeginn wider. Maschinenbau sowie Elektro- und Anlagenbau sind energieintensiv und stark exportorientiert. Höhere Energiepreise verteuerten die Produktion, während die geopolitische Unsicherheit Investitionen in wichtigen Absatzmärkten bremste.
Im Konsumgütersektor zeigt sich mit 14 Gewinnwarnungen vor allem die erneute Verunsicherung der privaten Haushalte. Höhere Energie- und Kraftstoffpreise sowie steigende Inflationssorgen bremsen die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen. Im Finanzdienstleistungs- und Beteiligungssektor hat die Erhöhung der Leitzinsen der EZB im Juni die Hoffnungen auf eine Entlastung bei Refinanzierungskosten enttäuscht und in Q2 2026 zu negativen Prognoseanpassungen geführt.
China-Wettbewerb treibt Gewinnwarnungen bei Medizintechnik auf Mehrjahreshoch
Mit acht Gewinnwarnungen hat der Gesundheitswesen- und Life-Sciences-Sektor bereits im ersten Halbjahr 2026 die Gesamtjahreswerte der Vorjahre bereits um das Vierfache übertroffen. Insbesondere die Medizintechnikunternehmen leiden unter wachsendem Preisdruck aus China, zurückhaltenden Investitionen europäischer Krankenhäuser und der zunehmenden Innovationskraft chinesischer Wettbewerber. Gleichzeitig schränken hohe Kosten und regulatorische Anforderungen den Investitionsspielraum westlicher Hersteller ein. Zudem steigen die Investitions- und Kompetenzanforderungen für softwarebasierte Lösungen und KI-gestützte Anwendungen in der Medizintechnik. Der Druck auf Erträge und Prognosen dürfte daher hoch bleiben.
Über EY-Parthenon
EY-Parthenon ist die Strategie- und Transaktionsberatung der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY*. EY-Parthenon bietet klassische Strategieberatung, Beratung bei Unternehmenstransformationen und -transaktionen sowie eine darauf abgestimmte Corporate-Finance-Beratung aus einer Hand. Die 25.000 Mitarbeitenden weltweit verfügen über fundiertes Fach- und Branchenwissen sowie ein ausgeprägtes Verständnis für die unternehmerische Perspektive und für innovative Technologien. Sie arbeiten eng mit der C-Suite großer und mittlerer Unternehmen, Private-Equity-Unternehmen und dem öffentlichen Sektor zusammen.
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