Pressemitteilungen
- Keine gesicherte Übernahme mit den zuletzt verbliebenen Interessenten möglich
- Insolvenzverwalter muss Stilllegung des Geschäftsbetriebs einleiten
- Rund 280 Beschäftigte betroffen
- Vereinbarung mit Betriebsrat über Interessenausgleich und Sozialplan getroffen
Illertissen, 26. August 2026. Bittere Nachrichten für die Beschäftigten des Arzneimittelherstellers R-Pharm Germany: Der seit vielen Monaten intensiv geführte Investorenprozess ist ohne Abschluss geblieben. Mit den beiden zuletzt noch beteiligten Interessenten konnte keine Vereinbarung über eine gesicherte Übernahme des traditionsreichen Pharmaunternehmens erzielt werden. Damit gibt es keine Aussicht mehr auf eine Fortführungslösung. Insolvenzverwalter Markus Fröhlich hat die Belegschaft heute im Rahmen einer Betriebsversammlung über die Entwicklung informiert.
Hoffnung bis zum Schluss
Insolvenzverwalter Markus Fröhlich und sein Team hatten den Investorenprozess bis zuletzt mit hohem Einsatz vorangetrieben und den verbliebenen Interessenten mehrmals zusätzliche Zeit eingeräumt, um die Voraussetzungen für einen Abschluss zu schaffen. Zwar bestand grundsätzlich Interesse an einer Übernahme von R-Pharm Germany, doch die für einen verbindlichen Vertragsabschluss und dessen Umsetzung erforderliche Finanzierungssicherheit (‚financial proof‘) konnte von den Interessenten nicht bereitgestellt werden.
„Wir haben bis zuletzt unter enormem Zeitdruck alles darangesetzt, eine Zukunftslösung für R-Pharm Germany und die Beschäftigten zu erreichen. Für einen Vertragsabschluss benötigen wir aber die Sicherheit, dass sowohl der Kaufpreis als auch die für die Fortführung erforderlichen Mittel tatsächlich zur Verfügung stehen. Diese Transaktionssicherheit war trotz der zusätzlichen Zeit, die wir den Interessenten eingeräumt haben, leider nicht gegeben“, bedauert Insolvenzverwalter Fröhlich.
Zusätzlicher Monat brachte keine Rettung
Noch Ende Juli hatte eine drohende Stilllegung zunächst abgewendet werden können. Insolvenzverwalter Fröhlich war es in letzter Minute gelungen, die weitere Finanzierung für den Monat August zu sichern. Dadurch wurde wichtige zusätzliche Zeit gewonnen, um die Verhandlungen mit den verbliebenen Interessenten fortzuführen.
Bereits damals hatte Fröhlich jedoch darauf hingewiesen, dass die Zwischenfinanzierung lediglich eine weitere Etappe und noch keine Fortführungslösung darstellen würde. Denn aus eigener Kraft kann R-Pharm Germany den operativen Geschäftsbetrieb nicht dauerhaft aufrechterhalten. Ein Erwerber hätte neben dem Kaufpreis erhebliche zusätzliche Mittel für das Hochfahren des operativen Geschäfts und das erforderliche Working Capital bereitstellen müssen. Denn gerade bei einer dünnen Auftragslage müssen neue Kunden gewonnen werden und für diese Phase bedarf es ausreichender Mittel.
Zusätzliche Wochen als letzte Chance
„Wir wussten, dass diese zusätzlichen Wochen unsere letzte Chance sein würden, und haben diese Zeit intensiv genutzt. Dass wir trotz aller Anstrengungen keine Fortführungslösung erreichen konnten, bedauere ich außerordentlich - vor allem mit Blick auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die dem Unternehmen auch in dieser schwierigen Zeit die Treue gehalten haben“, sagt Markus Fröhlich.
Schwierige Ausgangslage wegen Sanktionen
Erschwert wurde die Investorensuche durch die schwierige wirtschaftliche Ausgangslage des Unternehmens. Infolge der internationalen Sanktionen gegen Russland und der damit verbundenen Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem russischen Gesellschafterkreis hatten sich in den vergangenen Jahren zunehmend Kunden und Geschäftspartner zurückgezogen. Die rückläufige Auftragslage belastete die Liquidität und den Produktionsbetrieb erheblich.
Ohne Investor Betriebsstilllegung unvermeidbar
Da kein Abschluss mit einem Investor erzielt werden konnte, fehlt nun die wirtschaftliche Grundlage für eine weitere Betriebsfortführung. Insolvenzverwalter Fröhlich ist deshalb gezwungen, den Geschäftsbetrieb kurzfristig einzustellen und die geordnete Betriebsstilllegung einzuleiten. „Diese Entscheidung fällt mir außerordentlich schwer. Ich weiß, was das Aus für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ihre Familien und die gesamte Region bedeutet. Wir haben seit Beginn des Verfahrens alles versucht, um diesen traditionsreichen Standort zu erhalten. Doch ohne einen Investor gibt es nun keine wirtschaftlich verantwortbare Alternative zur Stilllegung“, sagt Fröhlich.
Rund 280 Beschäftigte betroffen
Von der Stilllegung sind rund 280 Mitarbeitende betroffen. Die Beschäftigungsverhältnisse sollen zum Ende des Monats August 2026 gekündigt werden. Der überwiegende Teil der Belegschaft wird im Zuge der Stilllegung von der Arbeit freigestellt. Für die am Standort notwendigen Abwicklungs- und Stilllegungsarbeiten soll ein Team von voraussichtlich rund 50 bis 60 Mitarbeitern über einen befristeten Zeitraum weiterbeschäftigt werden. Insolvenzverwalter und Betriebsrat haben bereits Verhandlungen über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan geführt und erfolgreich abgeschlossen. Ziel ist es, die Folgen der Betriebsstilllegung für die Beschäftigten im Rahmen der rechtlichen und wirtschaftlichen Möglichkeiten des Insolvenzverfahrens abzumildern.
Über R-Pharm Germany GmbH
Die R-Pharm Germany GmbH mit Sitz in Illertissen ist ein traditionsreicher Arzneimittelhersteller mit Wurzeln bis ins Jahr 1849. Das Unternehmen entwickelt, produziert und verpackt pharmazeutische Produkte für internationale Märkte. Am Standort Illertissen arbeiteten bis zuletzt rund 280 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Entwicklung, Produktion, Verpackung, Qualitätssicherung und Verwaltung. Von dort aus wurden Arzneimittel für Kunden in rund 150 Ländern weltweit vertrieben. Mit modernen Produktionsanlagen, hohen Qualitätsstandards und internationaler Ausrichtung zählt das Unternehmen zu den etablierten Pharma-Produktionsstandorten in Süddeutschland.
Über FRÖHLICH Rechtsanwälte Insolvenzverwalter Steuerberater
Rechtsanwalt Markus Fröhlich ist Gründer und Namensgeber der Wirtschafts- und Insolvenzrechts-kanzlei FRÖHLICH Rechtsanwälte Insolvenzverwalter Steuerberater. Die Kanzlei ist mit Büros in Friedrichshafen, München, Neu-Ulm und Stuttgart vertreten. Markus Fröhlich hat sich als Sanierungsexperte einen Namen bei der erfolgreichen Restrukturierung von Unternehmen außerhalb und innerhalb von gerichtlichen Sanierungsverfahren erworben. Weitere Informationen unter: www.froehlich-rae.de